Das Männliche segnen

by Julia Vogel 18.07.2013

Melville Brante hatte auf seinem Penis ein Tatoo. Schwarz in Blau gestochen das Porträt des Chefredakteurs der deutschen Wochenzeitung, DIE ZEIT, Giovanni di Lorenzo. Melville wichste seinen Giovanni voller Hingabe. Er quetschte und er rieb ihn. Er schlug ihn und er streichelte ihn. Am Ende des sich selbst liebkosenden Rituals spritzte er sich in die Hand und seufzte und wurde ohnmächtig. Bis zu zwölfmal am Tag wiederholte er dieses Ritual. Melville Brante war ein ritueller Mensch. Zwischen den Mastubationsanfällen zog Melville Perlenketten auf. Er besaß eine international anerkannte Perlenzucht. Der Schimmer seiner Perlen war einzigartig. Im Geheimen verglich er die Farbe mit der seines Spermas. Melville konnte stundenlang seine Austern streicheln. Ab und an steckte er seine Zungenspitze in eine offene Auster. Ein Prickeln bemächtigte sich seiner und lief über die Mitte seines Rückens. Sends a shiver down the spine. Und stets dachte er dabei an seine geliebte Schwester Charlotte. Ihr Rücken war entzückend. In letzter Zeit trank Melville wieder süßen Tokajer wie Wasser. Er nahm einen Schluck, dann noch einen. Gierig leerte er das ganze Glas mit Wein. Dann stellte er das Kristallglas auf den Mahagoni Tisch, legte die nackten Füße darauf, aber überlegte es sich gleich wieder anders. Melville stand auf, ging ins Bad und wusch seinen Unterleib. Er cremte sich seinen Schwanz mit Nivea Creme ein. Dann ging er auf den Balkon und goss die Salatzucht seiner Frau Esther.

 

Esther trat in einem cremefarbenen Kleid mit Spaghettiträgern auf den Balkon. In der Hand hatte sie eine Schale mit Pfirsichen.

 

Ah, Obst, sagte Melville.

Sammelt deine Mutter immer noch Kirschkerne um sich ein Kissen damit zu machen?

Gib mir einen Pfirsich, Schatz.

Du hast meine Setzlinge gegossen. Das ist nett.

 

Melville biss in einen Pfirsich und der Saft lief an seinem Mund nach unten über das Kinn und tropfte von da auf den Boden mit Schiffsparkett.

 

Gefällt er dir, fragte Melville.

Du hast ihn wieder eingecremt.

Natürlich.

Melville spuckte den Kern über den Balkon.

Er hatte Esther in einer Bar kennengelernt. Esther hatte ihn angesprochen.

Kennst du auch diese Abende. Man kommt, setzt sich hin und dann geht man wieder, hatte sie gesagt.

Esther hatte riesige Titten. Und das war vor der Zeit als man Implantate machen konnte. Sie hatte einen Zebra Overall an, mit einem tiefen Dekoletté.

 

Ziehst du dir etwas über. Wir wollen gleich zu Abend essen. Es gibt Austern überbacken mit Roquefort Käse.

 

Die Stimmung kippte. Er mochte jetzt nicht seinen frisch eingecremten Schwanz bedecken. Und Esther hatte Nachbarn eingeladen. Charles Ingalls mit seiner neuen Freundin Melanie. Charles Ingalls war Tischler. Er fertigte hochwertige Möbel nach eigenen Entwürfen und Streichelskulpturen aus Holz an. Jennifer Lopez hatte sich eine Streichelskulptur von Ingalls für ihr Haus in Malibu anfertigen lassen. Durch diese Skulptur konnte man hindurch schlüpfen und sich herumwinden. Jennifer verglich diese Skulptur mit ihrer Vagina. Ähnlich weich und unergründlich. Sie liebte es die Skulptur mit Olivenöl erst einzustreichen um sie dann mit den Händen zu polieren.

 

Melanie war eine sehr dicke, blasse, zwanzigjährige Frau. Sie hatte überall am Körper Schnittnarben. Ihr Atem war schlecht. Ihre Füße viel zu klein für diesen massigen Körper. Stets trug sie einen blinden Cockerspaniel auf dem Arm, welchen sie mit Pralinen und ihren Worten fütterte.

 

Esther war es ein Rätsel, wie man diese fette Sau ficken konnte. Melville war es dagegen ein Rätsel wie man diese fette Sau überhaupt ficken wollte. Doch das hatte nichts zu bedeuten, da er selbst im Grunde mit seinem Schwanz in der Hand am glücklichsten war. Er musste nicht ficken um glücklich zu werden.

Melville schrieb kleine Gedichte für seinen Schwanz.

 

Oh du geiler Riemen

befruchte das Land

spring über Auen und Flüsse

spring mein geiler Riemen

spring über mein Land.

Oh heil dir mein Riemen

Oh heil dir mein Land.

 

Ein anderes Gedicht hatte er Esther zu ihrem 65.Geburtstag geschrieben. Melville war 72 Jahre alt.

 

Meine Haut noch straff,

mein Hodensack akkurat

steht wie ne eins mein Schaft,

mein Schamhaar dicht,

du Esther bist mein

Nord, mein Süd, mein Ost, mein West,

mein Engel, meine Hex,

hex hex,

hex hex.

 

Das Gedicht hatte Esther gerührt und mit einem Mal hatte sie gewusst, dass Melville der richtige war, um mit ihm alt zu werden. Esther hatte eine Enkeltochter, die gerade in einem Sterbehospiz in Paris ein Praktikum machte. Wäre das hier ein Film, dann wäre Esther eine ehemalige Zobelzüchterin, oder die Chefrestaurateurin des Louvres mit dem Spezialgebiet Leonardo da Vinci. Aber im wirklichen Leben war Esther Spitzenklöpplerin. Sie hatte ausschließlich Tücher für die Prêt-à-porter ihres Freundes Yves Saint geklöppelt. Den neuen Chefdesigner mochte sie nicht. Wie konnte er nur das Logo ändern.

 

Um die Hände geschmeidig zu halten für das Klöppeln rieb sie sich die Hände mit einem Sud aus Jahrgangsaustern ein. Lange Zeit hatte sie nicht gewusst, dass Melville heimlich Sperma untermischte. Wenn sie es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, wie er in den Tiegel wichste. Melville hatte seine Abgründe. Melville hatte als Kind einen Hund, der Rockwell hieß. Esther hatte keine Tiere als Kind besessen. Sie saß als Kind gern allein in ihrem Zimmer und las die Bibel. Für sie war das, was in der Bibel stand, nur eine Geschichte, denn sie wurde nicht religiös erzogen. Ihre Tochter Marion war Pastorin in Hamburg. Ihr Sohn Dieter war Kürschnermeister in San Francisco. Hauptsache die Kinder waren glücklich. Esther nahm die überbackenen Austern aus dem Ofen und schenkte sich ein Glas Chablis ein. Sie hörte Melanies unangenehme schrille Stimme, eine Mischung aus Kroatischem und Polnischem Akzent, vermischt mit Deutsch, das so klang, als würde jeder Laut gepresst und gedrückt und förmlich zerquetscht, zuerst mit der Zunge, dann mit dem Gaumen, dann mit den Arschbacken und schließlich noch mit ihrem stinkenden Maul. Maulfaul. Melanie redete wie eine bösartige Maschine. Ingalls hatte sein Skizzenheft dabei. Er musste Melanie ständig malen. Ingalls war 86 Jahre alt und geil. Er zeigte Melville die Aquarellskizzen der letzten Tage. Als er die aufgeklappte Möse von Melanie sah, musste Melville fast kotzen. Doch er behielt seine Austern bei sich und spülte mit einem Brandy nach.

 

Schöne Frau, sagte Melville und hustete. Zuviel an Heuchelei bekam ihm nicht.

Warum laden wir diese Menschen ein, fragte Melville Esther beim Zubettgehen.

Damit es uns besser geht, sagte Esther.

Mir wird speiübel, wenn ich diese fette Sau nur höre, sagte Melville und zog seinen Schwanz an der Vorhaut und schüttelte dazu die Eier.

 

In dieser Nacht träumte Esther von einem Erdbeben, und Melville von einem stummen Mann, der ihm liebevoll seine rechte Hand auf die linke Schulter legte.

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