Heimliche Wahrheit

von Julia Vogel
Merkst du wie Gott Dunkelheit schickt, wenn du so redest, sagte er. Ja, sagte ich.Merkst du, wie sehr er darunter leidet, wenn du solche Sachen sagst. Ja, sagte ich.Merkst du, wie schändlich Du mit deinen Worten bist? Ja, sagte ich.
05.08.2013
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Das Männliche segnen

von Julia Vogel
Melville Brante hatte auf seinem Penis ein Tatoo. Schwarz in Blau gestochen das Porträt des Chefredakteurs der deutschen Wochenzeitung, DIE ZEIT, Giovanni di Lorenzo. Melville wichste seinen Giovanni voller Hingabe. Er quetschte und er rieb ihn. Er schlug ihn und er streichelte ihn. Am Ende des sich selbst liebkosenden Rituals spritzte er sich in die Hand und seufzte und wurde ohnmächtig. Bis zu zwölfmal am Tag wiederholte er dieses Ritual. Melville Brante war ein ritueller Mensch. Zwischen den Mastubationsanfällen zog Melville Perlenketten auf.
18.07.2013
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ICH LIEBE DICH

von Anonymous
Ich fasse mir immer noch automatisch an den Kieferknochen, wenn ich an diese Nacht denke. Die Erinnerung daran ist einfach brutal. Die Lüge war geplatzt. Wir fuhren in übler Laune nach Berlin. Die Luft im Auto vibrierte. Ich versuchte krampfhaft Worte zu finden, aber es war eher Fresse-Halten angesagt. 260km bedrohliche Stille. Wir verabschiedeten uns vor der Haustür voneinander. Einmal durchatmen. Er ging mit Kumpels Fußball schauen und ließ mich, ohne sich noch einmal umzudrehen, zurück. Es graulte mir vor der bevorstehenden Nacht. Wir wollten später mit Freunden zusammen raven gehen.
19.06.2013
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FUROR

von Julia Boog
 Kahle Flure, Neonlicht – ich rutsche auf meinem harten Stuhl hin und her. Eine Anstalt? Nein, das Bezirksamt. Zum Verrücktwerden ist hier nur das sinn- und scheinbar endlose Warten. Bis endlich jemand kommt. Aber es ist nicht der Sachbeauftragte, sondern ein offenbar alkoholisierter Mann – er setzt sich neben mich, vielleicht angezogen von dem Buch, das ich gerade lese: In orangefarbener Neonschrift tituliert es: „Das obszöne Werk“ von George Bataille und nicht lange dauert es, bis ich das Flüstern meines Nachbarn höre: „Ich besorg’s dir gleich, Süsse“ – auch wenn dieses bedrohliche Versprechen nicht mir galt, sondern seinem Telefon, bin ich aus meiner langen Trance (des Wartens) erwacht: vor Schrecken oder Neugier?
05.06.2013
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EVOLUTIONÄRES SPIELKIND

von Anonymous
 Die Kunst befiehlt. Jonathan Meese fügt sich. Denn Kunst ist das totale Leben. Wahnsinn hin oder her. 2016 wird der 43-Jährige den Parsifal in Bayreuth inszenieren.Ein Gespräch.
28.05.2013
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